Dokumentation der Inbetriebsetzung der HGe 4/4 I
29. September 2011
Anlässlich der Mitglieder-Info der Vereins-Mitglieder BNB und historisch Interessierten weilt die Lok HGe 4/4 I in der Werkstätte der zb in Stansstad. Wegen den beschränkten Platzverhältnissen kann aber die Lok bis zur Wiederinbetriebnahme nicht stehen bleiben und muss deshalb vorübergehend in eine andere Unterkunft in Engelberg verschoben werden. Die Gelegenheit hier in Stansstad nutzen wir, damit der Steuerstromkreis der HGe 4/4 I wieder funktioniert und damit die Stirnbeleuchtung als erster Akt für die Überführung nach Engelberg in Betrieb genommen werden kann; denn diese historisch einmalige Fahrt einer Berglok des Brünig nach Engelberg verlangt nach einem würdigen Rahmen und ist ausserdem Vorschrift nach den Bahnregelementen.
Die Lok selber erregte durch ihre Anwesenheit in der Werkstatt der zb Aufmerksamkeit, so dass Christian Stöcklin nebst den elektrischen Instandstellungsarbeiten auch viele Fragen beantworten konnte. Auch die von der Privatfirma anwesenden Wagenreiniger aus dem Balkan stellten fest, dass da etwas Aussergewöhnliches auf Besuch weilt...
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Mit dem Steuerstromschema der HGe 4/4 I und einem Multfunktions-Messgerät werden die abgeschlagenen Gewindebolzen ersetzt und auf die korrekte Verbindung geprüft.
Foto: Christian Stöcklin, BNB |
Nach Beantwortung der Fragen fotografierte eine unbekannte Wagenreinigerin spontan Christain Stöcklin vor dem "geöffneten" Muni. |
Vorbereitungsarbeiten zum Event Interlaken macht Dampf von April - Mai 2010
Anlässlich des Events der Ballenberg Dampfbahn "Interlaken macht Dampf" wurde die Idee in Erwägung gezogen, den seit Jahren abgestellten "Muni" nach Interlaken an diesen Anlass zu befördern. Damit entstand in relativ kurzer Zeit eine Arbeitsgemeinschaft, die die Beförderung der HGe 4/4 I von Luzern nach Interlaken Ost und wieder zurück organisierte. Dies war im Grunde genommen die Geburtsstunde der Wiederinbetriebnahme der HGe 4/4 i im März 2010.
Es wurde die Evaluation via Normalspurschemel über den Rangierbahnhof Limmattal nach Interlaken durch Rolf Huwyler bei SBB Cargo und die Berg- (Schlepp-) Variante via Brünig durch Christian Stöcklin geprüft. Da wir zu Anfang nicht wussten, wie der Zustand des Zahnradgetriebes in der Schleppvariante via Brünig aussah, gedieh die Schemelfahrt via RBL (Rangierbahnhof Limmattal) bis zur Offertreife bei SBB Cargo. Da aber die HGe 4/4 I mit ihren Bremswiderständen, die bei der Talfahrt am Berg benutzt werden, in das Normalprofil hineinragten, wäre eine genaue Fahrwegprüfung und eine eventuelle Demontierung der Widerstände und des Stromabnehmers hinzugekommen. Diese (teure) Variante kam aber für diesen Anlass nicht in Frage und so konzentrierte sich alles auf die Schleppfahrt nach Interlaken Ost.
Wichtig für eine reibungslose Überfahrt sind die lückenlose Schmierung aller dazu konziperten Stellen (Schmiernippel) und das Auffüllen aller Ölbehälter. Dies gestaltete sich umso schwieriger, das sich die Bezeichnungen der verwendeten Ölsorten geändert hatten. Durch die wertvolle Mithilfe der AVIA in Luzern konnte die genaue Viskosität und Zusammensetzung der verwendeten Öle festgestellt und dementsprechend die "Nachfolgeöle" bestellt werden. Ausserdem lieferte der pensionierte Werkstattmeister der ZB von Meiringen wichtige Informationen und gab uns die nötige (technische) Sicherheit für die erste längere Fahrt des Munis.
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Zuerst wurde im Innern der Lok fleissig geputzt. Res Uebersax am polieren
Foto: Christian Stöcklin, 24.04.2010 |
Da viele Besucher in Interlaken zu erwarten waren, muss das alte Oel und Fett weg. Mit dabei im "Clean Team": Rolf mit Sprit
Foto: Christian Stöcklin, 24.04.2010 |
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Durch die lange Standzeit in Luzern unter einem Betondach wurde der Muni zusehends "verstaubt"
Foto: Rolf Huwyler, 27.04.2010 |
Damit die Farbe keinen Schden nimmt, wurde die Aussenhülle komplett abgespritzt
Foto: Rolf Huwyler, 27.04.2010 |
In Handarbeit kam der "Waschgang" zum Zuge
Foto: Rolf Huwyler, 27.04.2010 |
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Der Muni frisch geputzt und die Farbe versiegelt! Nun sieht die historische Lok von aussen (fast) wieder einsatzfähig aus...
Foto: Rolf Huwyler, 27.04.2010 |
Erwin am schmieren, damit alle Lager im Schlepp nach Interlaken gut laufen
Foto: Christian Stöcklin, 28.04.2010 |
Zum Schmieren aller Punkte musste die Lok an die Rampe im Güterbahnhof Luzern rangiert werden, da dort ein Gleis mit erhöhten Supporten besteht. (die Remise Luzern besteht nicht mehr)
Foto: Res Uebersax 05.05.2010 |
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Bei ausgeschalteter Fahrleitung wird das Lokdach einer Inspektion unterzogen und gleichzeitig der Stromabnehmer niedergebunden, damit nicht bei beengten Lichtraumverhältnissen ein unfreiwilliger Kontakt mit der Hochspannung entsteht.
Foto: Res Uebersax 05.05.2010 |
Der Muni ist in Interlaken angekommen und steht neben dem BDB Depot für die kommenenden Besucher bereit
Foto: Christian Stöcklin 15.05.2010 |
Seit mehr als einem Jahrzehnt steht die letzte noch verbliebene Lok dieses Typs der Öffentlichkeit zur Verfügung
Foto: Rolf Huwyler 16.05.2010 |
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Leider konnte die Steuerstrom-Beleuchtung auf den Event in Interlaken nicht realisiert werden, da die ca. 18-jährigen Batterien des Munis nicht mehr Strom von sich gaben. Hilfe nahte durch den Abbruch der Re 425 509 der BLS, bei der wir durch die freundliche Unterstützung der Gotthard Schnyder AG und SBB Cargo diese frisch revidierten Batterien übernehmen durften.
Foto: Rolf Huwyler 07.08.2010 |
Nach schweisstreibender Verschiebearbeit der 120 kg schweren Batterien konnte erstmals die Lok wieder unter Strom, wenn auch "nur" Gleichstrom gestellt werden.
Foto: Rolf Huwyler 07.08.2010 |
Danach kam der grosse Moment, ob der Muni ein erstes aktives Lebenszeichen von sich gab: ja, ohne weiteres konnten wir das Fahrberechtigungssignal ein- und ausschalten. Doch die Stirnbeleuchtung wollte leider auch nach mehreren Umschaltversuchen nicht leuchten.
Foto: Rolf Huwyler 07.08.2010 |
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Dafür konnten wir wenigstens die Lampen im Maschinenraum erstmals wieder brennen lassen
Foto aus Filmsequenz von Rolf Huwyler |
Bei der Suche nach der Ursache des Stromunterbruchs der Stirnlampen öffneten wir auch die Serviceklappe des Führerstandes.
Foto: Rolf Huwyler 07.08.2010 |
Nähere Ansicht der Steuerstromverkabelung unterhalb des Führerstandes.
Foto: Rolf Huwyler 07.08.2010 |
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Auf der anderen Seite der HGe 4/4 I sieht nach dem Öffnen der Serviceklappe die Verkabelung gar nicht gut aus. Dies ist mit ein Grund, warum die Stirnlampen nicht brennen. Einzelne Gewindebolzen sind mit einem Meissel abgeschlagen und müssen anhand des elektrischen Schema ersetzt werden.
Foto: Rolf Huwyler 07.08.2010 |
Nach längerem Suchen entdecken wir den Hauptgrund, wieso der Stirnlampenstromkreis nicht funktioniert: Das Kabel Nummer 337, das für die Rückführung des Stirnlampenstromes dient, wurde zerschnitten. Es wirft natürlich die Frage auf, wer ein Interesse an so einer Manipulation hat. Wir können sie aber nicht beantworten. Doch eines ist klar: Eine Inbetriebnahme dieser Lok wird möglicherweise noch einige unliebsame Überraschungen für uns bereithalten...
Foto: Rolf Huwyler 07.08.2010 |
Auch im Maschinenraum in der Verkabelung des Stufenschaltermotors fanden wir abgeschlagene Gewindebolzen. Somit bestätigt sich der Umstand, dass eine reibungslose Inbetriebnahme nicht ohne weiters möglich sein wird und wir auf alles gefasst sein müssen. Diese Sachbeschädigungen können mit relativ wenig Aufwand behoben werden. Doch die Frage stellt sich an dieser Stelle, welche grosse Beschädigungen noch auf uns warten und unter Umständen eine Inbetriebnahme verunmöglichen?
Foto: Rolf Huwyler 07.08.2010 |
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